Die ungewöhnliche Karriere des Dominique Bouchereau

Der 31-Jährige schaffte es bei der uct GmbH in Dormagen vom Zeitarbeiter zum stellvertretenden Betriebsleiter – und weitere Aufgaben warten bereits schon auf ihn.

 

In den USA gehört die Erzählung „Vom Tellerwäscher zum Millionär“ quasi zur DNA der Nation. Motto: Wer sich anstrengt, der kann es weit bringen. Dass diese Einstellung auch in Deutschland verfangen kann, beweist Dominique Bouchereau von der uct Umschlag Container Terminal GmbH in Dormagen eindrucksvoll. Der 31-Jährige wurde jetzt von der Industrie- und Handelskammer zu Düsseldorf als jahrgangsbester Logistikmeister ausgezeichnet – und dabei ist sein beruflicher Werdegang alles andere als gewöhnlich.“

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Prüfungen. Berufung. Praktikum, Mitarbeit, Ausbildung, Weiterbeschäftigung als Fachkraft – so in etwa lautet der Einstieg in die Karriere in der Logistikbranche. Diesen klassischen Weg schlug Dominique aber nicht ein. „Stimmt, das war bei mir ein etwas anderer Prozess“, erzählt er schmunzelnd. Nach dem Abitur entschied er sich für ein Studium in der Fachrichtung International Business. Um dieses finanzieren zu können meldete er sich bei einer Zeitarbeitsfirma an, ging tagsüber arbeiten und abends in die Uni. Als ungelernter Arbeiter verdiente er so sein Geld zunächst beim HGK-Tochterunternehmen neska, zu der auch die uct in Dormagen  gehört. „Die Arbeit im Hafen machte mir sofort großen Spaß. Von da an war für mich klar: In dem Job will ich bleiben, da habe ich meine Berufung erkannt“, so Dominique.


Weiterbildung. Zwischenzeitlich erhielt er bei der uct einen „richtigen“ Vertrag als Hafenarbeiter. 2018 wurde ihm dann durch die Geschäftsführung angeboten, den Abschluss als Logistikmeister anzustreben. Doch wie geht so etwas, ganz ohne Ausbildung? „Das war kein Problem“, sagt Dominique, „ich habe Abitur und konnte fünf Jahre Berufserfahrung nachweisen. Damit waren die Voraussetzungen vorhanden, den Lehrgang anzugehen.“

Freistellung. Ohne die Unterstützung seines Arbeitgebers hätte das Projekt allerdings nicht funktioniert. „Wir haben ihn sechs Monate in Vollzeit freigestellt, damit er seinen Abschluss machen konnte“, berichtet uct-Geschäftsführer Thomas Heinrichs. In Düsseldorf drückte Dominique bei der Meisterakademie Graf dann wieder die Schulbank, was für Ihn eine massive Umstellung bedeutete, da der Praktiker plötzlich zum Theoretiker werden musste. „Ich hatte schon fast vergessen, wie anstrengend es sein kann, zur Schule zu gehen und zu lernen“, berichtet Dominique, „aber zum Glück habe ich da schnell wieder reingefunden.“

Zukunfts-Perspektive. Heinrichs verheimlicht gar nicht, dass sein Unternehmen dabei auch nicht ganz selbstlos handelte. Denn Dominique Bouchereau soll einmal die Betriebsleitung der uct in Dormagen übernehmen. „Unser jetziger Betriebsleiter Detlev Fabricius, der langsam seinen verdienten Ruhestand vor Augen hat, arbeitet ihn zurzeit weiter ein. So können wir garantieren, dass in diesem Bereich Kontinuität herrscht“, freut sich der Geschäftsführer. Und was glaubt Dominique, dass er mitbringen muss, um die Aufgabe zu meistern? Er überlegt kurz und sagt dann fest: „Verantwortung tragen. Entscheidungen treffen. Technisches Denken. Teamfähigkeit und soziale Kompetenz im Umgang mit den Kollegen.“

Feier. Gefreut hat er sich natürlich sehr über die Auszeichnung der IHK Düsseldorf. Bei der feierlichen Veranstaltung in der Düsseldorfer Tonhalle wurden die 271 besten Auszubildenden (von rund 5000 Azubis) sowie 30 Weiterbildungsbeste (von rund 2000) von IHK-Präsident Andreas Schmitz ausgezeichnet. „Auf Sie trifft ganz sicher nicht zu, was Karl Valentin einst zu Protokoll gab: Ich habe Bildung nie mit dem Löffel gegessen, nur mit der Messerspitze! Vielmehr feiern wir Sie heute als IHK-Prüfungsbeste, weil Sie in der Gesamtnote bei Ausbildungsprüfungen ein Sehr gut erreicht haben. Das schaffen jährlich nur rund fünf Prozent aller Prüflinge“, lobte Schmitz. Da Dominique in seinem Bereich als einziger das Qualitätsniveau erreichte, darf er sich mit Fug und Recht „Prüfungsbester 2018/2019“ nennen.

Quelle: Kölner Hafenzeitung (Christian Lorenz)

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